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  • Erfahrungsbericht Punkt MP02 – Ein Design-Handy mit Fehlern und deutlichen Schwächen









    Hallo Community,

    wie wir alle wissen, hat BlackBerry inzwischen seine eigene Herstellung von Telefonen eingestellt und diese an verschiedene Lizenznehmer weitergegeben. Das Ziel dabei war und ist es, das Unternehmen in einen Service- und Softwarekonzern umzubauen. Ein kleiner Effekt dieses Umbaus bestand darin, dass BlackBerry für den kleinen Schweizer Elektronik- und Design-Hersteller Punkt die Software für ihr neues Handy bereitstellte, welches ich seit der Markteinführung im Dezember 2018 ausführlich testen konnte.

    Die Firma Punkt wurde 2008 in der Schweiz gegründet und setzte sich zusammen mit dem preisgekrönten Designer Jasper Morrison das Ziel, elektronische Geräte mit zeitlosem Design zu verbinden.

    Einen ersten Versuch auf dem Handymarkt bildete das Punkt MP01, welches nur im 2G-Netz funkte und mittels einem selbstentwickelten OS betrieben wurde. Da die 2G-Netze weltweit zunehmend abgeschaltet werden, wurde schließlich das MP02 angekündigt, welches auch LTE unterstützte und BlackBerry stieß als Software-Zulieferer hinzu.

    Zu Beginn sei unbedingt darauf hingewiesen, hierbei handelt es sich nicht um ein „normales“ Smartphone, wie wir es alle kennen, sondern um ein Tastenhandy, auch „dumb phone“ genannt, welches eher an alte Nokia-Barren oder erinnert.

    Es bietet ein 2 Zoll großes monochromes Display im 4:3-Format mit einer Auflösung von 240 x 320 Pixel, welches durch Gorilla Glas 3 geschützt ist. Das Gehäusematerial ist ein Gemisch aus Polycarbonat und Aluminium mit einer gummierten Rückseite. Es ist nach IP52 zertifiziert und somit gegen Spritzwasser geschützt. Im Inneren werkelt der Qualcomm Snapdragon 210 mit Unterstützung von 2 GB Arbeitsspeicher. Der Akku bietet eine Kapazität von 1280 mAh und soll laut Hersteller ein Standby von bis zu 12,5 Tagen ermöglichen. Es werden zusätzlich 16 GB interner Speicher geboten. Als Software dient eine stark abgewandelte Form von Android 8.1 Oreo. Zur Bedienung werden die von früher bekannten Nummerntasten mit T9-Unterstützung für SMS sowie einzelne Funktionstasten angeboten.



    Vom Design her erinnert es eher an einen alten Taschenrechner mit seinen doch recht großen Tasten und der angeschrägten Oberfläche, wenn es auf dem Tisch liegt, was durchaus zu gefallen weiß. Auch von der Haptik fühlt es sich wirklich großartig und hochwertig an. Die Gewichtsverteilung ist gut gelungen, nicht zu leicht und nicht zu schwer, so dass man es gerne in die Hand nimmt und auch gut einhändig bedienen kann. Die Tasten bieten alle einen guten Druckpunkt.

    Die Empfangsqualität ist ebenfalls beeindruckend, da es selbst an Orten, wo alle meine Smartphones bisher versagt haben, häufig noch die Verbindung halten kann. Dies sind aber nur meine Erfahrungen, offizielle Messungen kann ich hierzu natürlich nicht anbieten. Auch die sonstigen konnektiven Möglichkeiten, wie WLAN und Bluetooth sind mit an Bord und funktionieren einwandfrei.

    Auf den ersten Blick meint man wahrscheinlich, wozu brauche ich WLAN oder LTE bei einem solchen Telefon, welches eigentlich nur zum Telefonieren oder SMS-Schreiben dient? Hier setzt das Prinzip von Punkt an, den ständigen Online- und Erreichbarkeits-Zwang der heutigen Smartphone-Generation zu entkräften, in dem dort nicht ständig Messenger- oder Social-Network-News eingehen. Aber man kann durch Errichtung eines WLAN-Hotspots trotzdem beispielsweise mittels Tablet über das MP02 auf diese Plattformen und das Internet zugreifen.

    Trotzdem wird der gute erste Eindruck durch viele Fehler und Missverständnisse deutlich verhagelt. Wie gesagt, es handelt sich um ein normales Telefon ohne App-Store oder Kamera. Wozu brauche ich dann 16 GB internen Speicher? Das einzige, was im Telefon gespeichert werden kann, sind Kontakte, Notizen und Benachrichtigungen, die sicherlich niemals diesen Speicher ansatzweise füllen können. Natürlich kann man mittels des USB-C-Anschluss Daten hin- und herschieben, aber meiner Meinung nach, geht es mit SD-Karten schneller und einfacher.

    Ein Kalender wird im Telefon ebenfalls vorgehalten, der aber keine Termine oder ähnliches speichern kann und nur eine Monatsansicht bietet, so dass eine geschäftliche Nutzung mit Terminerinnerungen ebenfalls entfällt. Neben diesem werden noch eine Uhr mit Weckfunktion, ein Timer mit Stoppuhr sowie eine Notizfunktion neben der üblichen Anrufliste und den Einstellungen als Funktionen angeboten. In den Einstellungen kann man unter anderem die Klingeltöne einstellen, die sich durchaus hören lassen können und vom norwegischen Klangkünstlers Kjetil Røst Nilsen komponiert worden sind.

    Die beiden größten Mankos stellen allerdings der Akku und die Software dar. So wird die Akkulaufzeit von Punkt vollmundig mit bis zu 12,5 Tagen angepriesen. Auf diese Zeiten komme ich nicht mal annähernd. Bei mir ist das Telefon mittels 4G-Verbindung mit ausgeschaltetem WLAN und Bluetooth nur zur Erreichbarkeit im Dienst im Einsatz und meist hält es dabei ungefähr einen Tag, manchmal noch nicht mal das. Zudem werden auf der Startseite nur die Uhrzeit und das Datum angezeigt, was zwar schön und reduziert auf dem Display aussieht, aber so muss man für den Akkustatus jedes Mal in ein Untermenü klicken, was auf Dauer ganz schön nervig ist.

    Punkt hat inzwischen auf Nachfragen meinerseits selbst eingestanden, dass wohl Software-Fehler für die kurze Akkulaufzeit ursächlich sein sollen und man dies per Updates beheben will. Bisher gab es ein Software-Update, was den Akkuverbrauch manchmal aus unerklärlichen Gründen deutlich verringert, aber überwiegend kann man der Prozentanzeige beim Fallen stündlich weiterzusehen. So ist mein Handy im Auto beispielsweise per Bluetooth verbunden. Meine Heimfahrt von der Arbeit dauert ca. 30 Minuten, im reinen Standby habe ich während dieser Zeit einen Akku-Verlust von durchschnittlich 5-10%. Als Hoffnungsschimmer muss man sehen, dass für die nächsten Wochen ein neues Update angekündigt wurde, mal schauen, ob es Verbesserungen bringt.

    Ein etwas kleineres, aber ebenso ärgerliches Problem ist die Software, die durch teils umständliche Bedienung, Übersetzungsfehler und weiterer Probleme besticht. So klickt man sich durch die Menüs mittels der zwei Pfeiltasten und der Punkt-Taste als Bestätigung. Dies funktioniert problemlos, nur ist es umständlich gelöst, dass das Menü immer mit dem gleichen Reiter geöffnet wird, so dass man beispielsweise für das An- und Abschalten der Bluetooth-Funktion jedes Mal ca. 5-mal tippen muss. Deutlich intuitiver wäre es, meiner Meinung nach, wenn das Menü immer an der zuletzt gewählten Funktion starten würde.

    Zudem ist auffällig, dass die Software, trotz eingestellter deutscher Systemsprache, immer noch teils englische Begriffe benutzt. In der Anrufliste steht beispielsweise immer noch, dass man z. B. am „Montag at 12:30 Uhr“ angerufen wurde. Viele dieser Begriffe wurden zwar mit dem letzten Update ausgemerzt, aber auch hier besteht noch weiterer Nachbesserungsbedarf.

    Fehler, wie fehlende Benachrichtigungen über eingegangene Nachrichten auf dem Startdisplay, wurden mit dem letzten Update ausgebessert. Aber es stört weiterhin ungemein, dass man beim Betätigen des On-/Off-Schalters, der das Display auch aktivieren und deaktivieren kann (dies passiert nämlich nicht selbstständig), trotz aktiviertem „Lautlos“-Modus weiterhin ein lauter Ton erklingt, Gleiches passiert, wenn man das mit gut 30 cm viel zu kurze Ladekabel anschließt.

    Fazit:
    Das Punkt MP02 ist vom Design und der Hardware ein tolles Telefon, dass sich auf den Ursprung der Handys zurückbesinnt. Ich find es gut, dass es noch Telefone gibt, die gegen diesen Online- und App Store-Wahn angehen. Daher habe ich mich auf das Telefon auch sehr gefreut trotz des hohen Kaufpreises von 329 Euro. Leider machen die mangelnde Akkulaufzeit und die fehlerbehaftete Software den guten Eindruck aber völlig zunichte. Man merkt, dass dieses Telefon hinsichtlich der Software nie zu Ende entwickelt und viel zu früh auf den Markt geworfen wurde. Auch zweifle ich daran, dass die versprochene Akkulaufzeit je erreicht werden wird. Ob Punkt oder BlackBerry an dieser Misere Schuld tragen, kann ich nicht beurteilen und es sei jedem selbst überlassen, darüber zu urteilen.

    Aber ich finde es unseriös, dass Punkt weiterhin mit der Akkulaufzeit auf seinen Seiten wirbt, obwohl sie bei Rückfragen meinerseits, die Softwarefehler als Ursache für die mangelnde Laufzeit eingestanden und sogar eine Rückgabe angeboten haben. Auch ist es für mich unverständlich, wozu man die 16 GB internen Speicher braucht und es erscheint zumindest fragwürdig, wozu ein solches „dumb phone“ durch die BlackBerry-Sicherheitsmerkmale geschützt werden muss, da es bis auf den Hotspot-Modus keine großen Online-Funktionen bietet.

    Hinweis: Das Handy wurde von mir selbst privat gekauft, ich habe keinerlei Unterstützung seitens der Firmen Punkt oder BlackBerry erhalten.

    Beste Grüße
    jojoxyz



    Bildquellen: BlackBerryBase

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    Ursprünglich wurde dieser Artikel in diesem Thema veröffentlicht: Erfahrungsbericht Punkt MP02 – Ein Design-Handy mit Fehlern und deutlichen Schwächen - Erstellt von: jojoxyz Original-Beitrag anzeigen